75 Jahre Heimatverein Odenkirchen
Dieses Jubiläum feierte der Odenkirchener Heimatverein am Samstag, 20. Juni 2026 - zunächst mit einem Empfang im Pater-Hermann-Bonnier-Park (direkt am Burgturm) und schließlich mit einem Bürgerfest auf dem Martin-Luther-Platz.
Natürlich erhielt der Heimatverein viel Lob. Das soll auch so sein. Schließlich leistet der Heimatverein bereits 75 Jahre ehrenamtliches Engagement zum Wohle der Odenkirchener. Ohne den Heimatverein wäre Odenkirchen um einiges ärmer. Das würdigten die Festredner. Aber beginnen wir von vorn.
Die Vorstandsmitglieder des HVO hatten im Burgpark eine kleine Veranstaltungslandschaft aufgebaut, die Sitzplätze und hier und da auch Schatten brachte. Der Wettergott meinte es beinahe zu gut mit den Odenkirchenern.
Konstantin Jansen, Sänger der "Gentle Tones", sorgte während des Empfangs dafür, dass die Reden nicht überhand nahmen. Seine musikalischen Einlagen gefielen den Gästen ausgesprochen gut. Er sang zur Gitarre vorwiegend Beatles-Titel, die nicht nur Ohrwürmer sind, sondern die auch ansprechend von ihm interpretiert wurden.
Marion Gutsche, stellvertretende Vorsitzende des HVO, eröffnete den Reigen der Reden. Sie dankte allen Menschen, die sich für Odenkirchen einsetzen, blickte zurück aber auch nach vorn: "Unsere Heimat ist mehr als Straßen, Häuser und die Niers; sie ist das Gemeinschaftsgefühl, das uns verbindet, die Geschichten, die wir miteinander teilen, und das Wissen um Herkunft und Wandel unserer Region. Der Heimatverein bewahrt genau diese Werte: Er sammelt Erinnerungen, pflegt Bräuche, dokumentiert Veränderungen und gibt Raum für Begegnungen. Am 31. August 1951 wurde der Heimatverein Odenkirchen aus der Taufe gehoben.
Aus der damaligen Satzung geht hervor, dass der Heimatverein sich unter anderem mit der Erhaltung und Pflege, der in Natur und Geschichte gelegten Werte der näheren und weiteren Heimat befassen sollte. Die Vereinstätigkeit sollte sich auf das Gebiet der früheren Stadt Odenkirchen erstrecken. Die Erhaltung des Orts- und Landschaftsbildes, die bauliche Entwicklung, kulturelle, wirtschaftliche und verkehrstechnische Belange gehörten ebenso zum Aufgabengebiet des Heimatvereins. Ein umfangreicher Strauß an Aufgaben und eine große Verantwortung, in einer Zeit, in der man noch mit dem Wiederaufbau beschäftigt war."
Und im Blick auf das Heute und nach vorn: "Der Heimatverein zeigt, wie man Tradition mit Gegenwart verbindet: Wir setzen uns für eine lebendige vielfältige Kultur ein, die für Jung und Alt zugänglich bleibt. Wir verändern unsere Wege, ohne unsere Wurzeln zu vergessen. Heute möchten wir auch nach vorne schauen. Welche Aufgaben liegen vor uns? Wie können wir junge Menschen stärker einbinden? Wie können wir neue Formate finden, um Heimat erlebbar zu machen? Vielleicht durch generationsübergreifende und multikulturelle Projekte, durch Partnerschaften mit Schulen, Vereinen und lokalen Einrichtungen, durch (wie man heute so schön sagt) stronger digital storytelling, ohne den persönlichen Kontakt zu vergessen. Lasst uns gemeinsam Ideen schmieden, die unseren Odenkirchen auch in den kommenden Jahrzehnten prägen."
Oberbürgermeister Felix Heinrichs freute sich in seiner kurzen Ansprache, dass auch nach 75 Jahren viele Menschen gekommen waren, die in die Zukunft schauen. Er stellte die Bedeutung des HVO für die Stadt heraus. Einer Stadt, die stark sei durch ihre 44 Stadtteile und durch noch mehr Honschaften - aber die dann eben doch eine Stadt bilden. "Odenkirchen, 1107 erstmalig urkundlich erwähnt, ist heute ein Stadtteil, der typisch für Mönchengladbach steht: mit einigen schönen Seiten, aber auch mit Herausforderungen. Das Entscheidende ist, dass man sich nicht nur beklagt oder sagt, früher sei alles besser gewesen. Wenn man das im Kopf hat, ist man blind für die Zukunft. Entscheidend ist, dass sich Menschen zusammenfinden und gemeinsam etwas Gutes hinbekommen wollen. Und dafür bin ich Ihnen sehr dankbar - im Namen der Stadt Mönchengladbach aber auch persönlich!"
Bezirksbürgermeister Uli Elsen gratulierte zu 75 Jahren Heimatverein und fügte an: "Richtig schön ist die Feier aber, wenn das Geburtstagskind fit und rüstig ist. Genau das kann man vom Odenkirchener Heimatverein mit Fug und Recht sagen. 1951 gegründet, hatte er in dem 1925 gegründeten Vereins für Heimatkunde, der sich 1932 mit anderen Vereinen zum Odenkirchener Verkehrs- und Heimatverein zusammenschloss, der dann 1936 im Rheydter Verkehrsverein aufging eine bewegte Geschichte!1951 besann man sich in Odenkirchen seiner Wurzeln und gründete den Heimatverein Odenkirchen, nun wieder auf allein auf den traditionellen Stadtbezirk bezogen. Tatkräftige und heimatbewusste Vorsitzende und Vorstände prägten den Verein und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Stadtteil. Ich nenne einmal die Namen: Dr. Fritz Sauvageot, Wilhelm Jansen, Emil Knour, Rolf Lüpertz, Werner Scholz und Burkhard Halm. …
Was ist nun heute die Funktion eines solchen Heimatvereins? Um es gleich zu sagen: Ein solcher Verein ist heute wichtiger denn je! Unsere Gesellschaft wird heute vielmals als anonym und individualisiert empfunden. Vielfach sind die familiären Bindungen verloren gegangen, noch nie lebten so viele Menschen allein in ihrer Wohnung. Da bietet der Heimatverein mit seinem vielfältigen Programmangebot eine Alternative. Er bietet Gemeinschaft, Räume zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch. Genau das erst schafft Identität, Heimat und im besten Sinne das Gefühl, dazu zu gehören. … Damit bietet der Heimatverein die Gelegenheit, sich dem Trend der einsam machenden Vereinzelung zu entkommen, unter Menschen zu sein, die sich in gegenseitigem Respekt und Zuneigung verbunden fühlen. Verbunden durch das wohltuende Gefühl, in Odenkirchen 'Zuhause' zu sein.“
Unter den Gästen auch Pfarrer Achim Köhler. Er ist, wenn man die historischen Grenzen Odenkirchens sieht, ein gebürtiger Odenkirchener. Er wuchs in Mülfort auf. Mülfort bekennt sich noch heute zu seinen Odenkirchener Wurzeln. Das sieht man auch am alten Schützensilber, das die Farben Odenkirchens beinhaltet.
Als früherer Architekt fallen ihm im Kern von Odenkirchen drei Gebäude auf: die Ev. Kirche, die kath. Kirche und der Burgturm. Die Gebäude stehen für drei wichtige Gemeinschaften: die Ev. Kirchengemeinde, die kath. Gemeinde St. Laurentius und für den Heimatverein: "Ich schätze das Engagement des Heimatvereines sehr, bei dem es nicht nur um den Erhalt von Kulturgütern, sondern auch um kulturelle Zusammenhänge geht. So etwas braucht Odenkirchen: das sich Menschen einbringen und verantwortlich fühlen. Dafür danke ich Ihnen und gratuliere zu Ihrem 75jährigen Bestehen."
Die Landtagsabgeordnete Vanessa Odermatt dachte über den Begriff HEIMAT nach: "75 Jahre Heimatverein – das sind 75 Jahre ehrenamtliches Engagement, 75 Jahre Einsatz für Geschichte, Kultur und Gemeinschaft und vor allem 75 Jahre Einsatz für die Menschen in Odenkirchen. … Heimat ist ein besonderer Begriff. Viele sagen, er sei typisch deutsch, weil es in anderen Sprachen kaum ein Wort gibt, das genau dasselbe ausdrückt. Es gibt Wörter für Herkunft, für Zuhause oder für Vaterland. Aber nichts was unseren Begriff Heimat vollumfänglich erfasst.
Heimat ist mehr als ein Wohnort.
Heimat entsteht dort, wo Menschen sich zugehörig fühlen. Dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Dort, wo man sich auskennt, wo man Menschen kennt und wo man selbst gekannt wird. Für den einen ist Heimat der Ort seiner Kindheit. Für den anderen ist Heimat die Gemeinschaft, in der er lebt. Für viele Menschen besteht Heimat aus vertrauten Orten, aus Sprache, Traditionen, Vereinen, Festen und Begegnungen. Heimat kann man nicht verordnen. Heimat spürt man. Gerade in einer Zeit, in der sich vieles schnell verändert, gewinnt Heimat wieder an Bedeutung. Die Welt wird digitaler, mobiler und oft auch unübersichtlicher. Viele Menschen suchen deshalb nach Orientierung, nach Gemeinschaft und nach einem Gefühl der Verbundenheit der Vertrautheit. Heimat gibt Halt. Heimat schafft Identität. Heimat verbindet. Dabei ist Heimat nichts Rückwärtsgewandtes. Heimat bedeutet nicht Stillstand. Heimat entwickelt sich weiter. Jede Generation hinterlässt ihre Spuren und gestaltet sie neu. Deshalb ist Heimat etwas Lebendiges."
Andrea Halm rundete den Reigen der Reden ab und präsentierte einen Auszug aus der Geschichte Odenkirchens. In ihrem Vortrag beantwortete sie die Fragen nach dem Wo, Was, Wann und Wie. "Und wie lebt es sich nun in Odenkirchen? Dies ist eine Frage, die auf der Gefühlsebene jeder anders bewertet. Faktisch gesehen hat Odenkirchen entlang der Niers viele Grünanlagen und verfügt über eine gute Verkehrsanbindung durch Bus- und Bahnlinien und den naheliegenden Autobahnauffahrten. Es gibt Institutionen wie Ärzte, Kindergärten, Schulen, Altenheime, betreutes Wohnen sowie eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde. Durch die vielen Vereine, die Odenkirchen hat, gibt es ein abwechslungsreiches Freizeitangebot. Beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Odenkirchener, ist seit Jahrzehnten der Tiergarten. Zum Schluss sei gesagt, was ich vorgetragen habe, ist noch lange nicht alles, was Odenkirchen ausmacht. Allein der Heimatverein hat drei Bände herausgebracht, in denen Odenkirchener Geschichte festgehalten ist. Eins ist aber klar: Odenkirchen hat eine abwechslungsreiche Geschichte, die sich durch unterschiedlichste äußere Einflüsse entwickelt hat. Wie sich Odenkirchen weiterentwickelt, liegt in unserer Hand. Zurzeit leben wir weltpolitisch gesehen in unruhigen Zeiten. Umso wichtiger ist jetzt ein Miteinander. Denn nur was wir Jetzt schaffen, führt zu einem Morgen. Und Übermorgen ist das Jetzt dann ein Teil der Odenkirchener Geschichte."
Was folgte, war der Besuch der Jubiläumsfeier des Heimatvereines auf dem Martin-Luther-Platz. Es soll keine Entschuldigung für die Odenkirchener sein. Aber die Temperaturen waren so eminent hoch, dass die Anzahl der Besucher überschaubar war. Dabei war das Programm gut: Die Besucher erlebten Tanzvorführungen der Irish Dancers (CÉILÍ), von IMAGE und der Tanzgruppe LIMITLESS. Alle Tanzformationen sind beim Turnverein Odenkirchen zu Hause. Die Qualität der Vorführungen war hoch, was aufgrund der hohen Temperaturen bemerkenswert war. Wie sagte Yvonne Leuveld: "Wir geben alles!" Das traf auch auf den Auftritt der "Sparkling Dancers" zu, eine beliebte Showtanzgruppe der Hephata Jugend. Clown Pepe begeisterte Kinder und Senioren gleichermaßen, entpuppte sich als Clown zum Anfassen und begeisterte sein Publikum. Apropos Senioren: Auch einige Seniorinnen aus dem Ev. Altenheim gesellten sich mit ihren Betreuerinnen zu den Gästen. Motto: Mittendrin statt nur dabei.
Die Kids hatten auch die Möglichkeit, geschminkt zu werden. Eine kleine Backstube, Kebbens Bratwurst und kühle Getränke von den Karnevalsfreunden Schwarz-Gold Odenkirchen ließen keine Wünsche offen. Bleibt die Musik: DJ Joachim Vollenbroich sorgte am Nachmittag für den guten musikalischen Ton. Abends lösten ihn die "Gentle Tones" ab. Die Mönchengladbacher haben die Band z. B. im Weingarten am Rheydter Wochenmarkt erlebt. 2 Gitarren, Percussion und mehrstimmiger Harmoniegesang: das sind die Zutaten, mit der die Band Songs von Paul Simon, Sting, Amy Winehouse, Clapton, Bill Withers u. v. a. präsentiert. Die Gentle Tones fielen so positiv auf, dass Gäste sich die Kontaktdaten geben ließen. Fazit des Tages: Eine sehr gelungene Gesamtveranstaltung.

