Unsere Plattdeutsch-Ecke
Liebe Leserinnen und Leser, wie wir in voraufgegangenen Beiträgen in dieser Plattdeutsch-Ecke feststellen konnten, lebt die Sprache von Bildern und Geschichten.
Derr Deskamp läese
Derr Deskamp (Deskant) läese leitet sich wohl von Disharmonie, Disharmonie aufzeigen und ansprechen ab. Dämm hann ech so richtisch derr Deskamp jeläese. Dem habe ich so richtig Bescheid gesagt, den Marsch geblasen. Ein gleichbedeutender Ausspruch: Däm hann ech de Levitte jeläese. Dem habe ich die Leviten gelesen. Beide Aussprüche drücken nicht einfach Kritik aus, sondern enthalten auch eine Ermahnung, indem der Angesprochene streng zurechtgewiesen wird und ihm sein Fehlverhalten vorgehalten wird. Die Leviten gehen auf 3. Buch Mose im Alten Testament zurück, auch Levitikus genannt. Dieses Buch enthält detaillierte Vorschriften für den Gottesdienst und das Leben der Priester. Es war im Mittelalter üblich, dass der Geistliche seinen Gemeindemitgliedern diese Anweisungen zur Ermahnung vorlas. Dieses religiöse Ritual wandelte sich im Laufe der Zeit zu dem allgemeinen sprachlichen Bild.
Man kann auch sagen: Man versüüt sech nett mii wii en de Lüüt. Wenn de Lüüt doll wäede, vänk (fänk) dat em Kopp aan. Hä hatt sech benoame wii e Vereke. Do hann ech däm so richtisch derr Kopp jewäsche. Man versieht sich nicht mehr als in den Leuten. Wenn die Leute doll (verrückt, jeck) werden, fängt das im Kopf an. Der hat sich benommen wie ein Ferkel. Da habe ich ihm so richtig den Kopf gewaschen. Do moos dä ävver Hoore loote. Da musste der aber Haare lassen. On dat es alles Aaperei. Alles Affentheater. Dä kann sech maar jätt aapesch benäeme. Der kann sich aber was affig benehmen. On joet, wenn man sare kann: Hä es noch ens möt ene Verweis dervan aff-jekomme. Und gut, wenn man sagen kann: Er ist noch einmal mit einer Rüge davongekommen.
Ävver Respekt: Et mot joet överleit wäede, wenn werr övver angere Lüüt kalle. Aber Achtung: Es muss gut überlegt werden, wenn wir über andere Leute sprechen. Ech meen: Ier dat werr övver Angere de Mull opriete, mödde werr iech kicke, dat bej oss alles en Order es. Ich meine: Ehe wir über Andere den Mund (Maul) aufreißen, müssen wir erst gucken, dass bei uns alles in Ordnung ist. Söös kann enem vlöck de Kaar vör de Vott gefaare wäede. Dat öch dat passeert, wönsch ech öch natüürlech net. Sonst kann einer rasch in eine unangenehme Situation geraten. Dass Ihnen (euch) das passiert (zustößt), wünsche ich Ihnen (euch) natürlich nicht.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten, glückvollen Start in die neue Woche.
Egon Krieger
Heimatverein Odenkirchen

